{"id":69,"date":"2022-10-28T10:11:20","date_gmt":"2022-10-28T08:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/?p=69"},"modified":"2023-01-12T16:48:48","modified_gmt":"2023-01-12T15:48:48","slug":"blog-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/2022\/10\/28\/blog-2\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich rate jeder Person, dass sie die Prothese als Teil von sich annehmen soll.&#8220; Michael Sauer, Prothesentr\u00e4ger und Parahockeyspieler im Interview"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><b>Mit unserem Forschungsprojekt m\u00f6chten wir vor allem die Individualisierung der Prothesenanpassung vorantreiben. Wo siehst du derzeit die gr\u00f6\u00dften Verbesserungspotenziale?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Ich pers\u00f6nlich sehe in der modernen Sensortechnologie das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Verbesserungspotential. Durch bessere \u00dcberwachung der Gangphasen und einen Machine-Learning-Algorithmus kann die Prothesensteuerung und somit das Gangbild und das Prothesenverhalten verbessert werden. Mittels zus\u00e4tzlicher Sensorik am gesunden bzw. erhaltenen Bein k\u00f6nnen weitere Informationen zur Gangart gesammelt und an die Prothese \u00fcbermittelt werden. Dadurch k\u00f6nnen das Gangbild verbessert und die Sicherheit erh\u00f6ht werden.<br \/>\nEbenso sehe ich Verbesserungspotential im Schaftbau. Durch den 3D-Druck k\u00f6nnen die Schaftformen individuell angepasst und schnell gefertigt werden. Zudem kann Sensortechnologie direkt im Schaft eingeplant und beim 3D-Druck ber\u00fccksichtigt werden. Dies h\u00e4tte den Vorteil, dass man Muskelbewegungen aufzeichnen kann und diese der Prothesensteuerung zur Verf\u00fcgung stellt, um das Gangbild weiter zu verbessern. Der Schaft ist definitiv die wichtigste Komponente einer Prothese. Die modernste Prothese bringt den Anwender:innen nichts, wenn die Stumpf-Schaft-Verbindung nicht passt und zu Problemen wie Hautirritationen, Druckstellen oder \u00c4hnlichem f\u00fchrt.&#8220;<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><b>Wie w\u00fcrden umsetzbare Verbesserungen in der Anpassung deinen t\u00e4glichen Komfort verbessern?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Wenn der Schaft gut sitzt, wird der Tragekomfort verbessert und die genannten Probleme w\u00fcrden reduziert oder sogar eliminiert werden. Zudem w\u00fcrde das Gangbild und damit der Energieverbrauch bzw. die Anstrengung bei den Anwender*innen gesenkt. Au\u00dferdem w\u00fcrde die Sicherheit beim Gehen verbessert werden. Die Gel\u00e4ndeg\u00e4ngigkeit der Prothese und das alternierende Gehen \u00fcber Stufen und Steigungen, bringen den Anwender:innen einen wesentlichen Vorteil und w\u00fcrden den Komfort steigern. Im Idealfall sollte die Prothese den Anwender:innen im Alltag auf jedem Schritt folgen und ihnen nicht vorgeben, was m\u00f6glich ist. Hierzu muss die Prothese mit Aktuatoren ausgestattet werden und\u00a0 es m\u00fcssen ausreichend Daten in Echtzeit gesammelt werden, dass eine sichere und dauerhafte Steuerung der Prothese realisiert werden kann.&#8220;<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><b>Allgemein hei\u00dft es, dass Prothesen vor allem von weiblichen Tr\u00e4ger:innen schlechter angenommen werden, weil aktuell noch zu wenig auf individuelle Bed\u00fcrfnisse (Muskelmasse, Bed\u00fcrfnisse im Alltag, Passung und Sensorik) eingegangen wird. Welche Erfahrungen hast du damit?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Hierzu ist klar zu sagen, dass ein:e Anwender:in, die eine Prothese als Teil von sich, unabh\u00e4ngig von Funktionalit\u00e4t und optischem Erscheinungsbild annimmt, wesentlich besser damit zurechtkommt. Unabh\u00e4ngig vom Geschlecht habe ich dieses Problem schon bei verschiedenen Anwender:innen beobachtet. Eine Prothese kann eine fehlende Gliedma\u00dfe nicht so ersetzen, als ob nichts w\u00e4re. Mit gewissen Einschr\u00e4nkungen und Problemen muss gerechnet werden. Wichtig ist hier meines Erachtens die Erstreha in der die Prothese an die Anwender:innen angepasst wird. Ganz wichtig ist, dass Anwender:innen ganz klar definieren, welche Anforderungen an die Prothese gestellt werden, damit diese bestm\u00f6glich angepasst werden kann. Das optische Erscheinungsbild kann durch Kosmetik nachgebessert werden, wenn es wichtig ist.<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><b>Du bist als Prothesentr\u00e4ger und auch durch deine Masterarbeit Experte mit einer Multiperspektive. Was r\u00e4tst du jemandem, der frisch amputiert wurde und sich erstmals mit dem Thema Prothesen am Bein besch\u00e4ftigt? Wo ist die erste Anlaufstelle?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Ich rate jedem, die Prothese anzunehmen. Im Idealfall<\/i> <i>betrachtet man sie wie einen Schuh, den man anzieht. Wenn man die Prothese von sich aus nicht akzeptiert, wird man immer Probleme haben oder diese sogar ablehnen und nicht tragen. Ich erz\u00e4hle im Regelfall \u00fcber meine Erfahrungen. Durch eine Amputation ist das Leben nicht vorbei, es kommt darauf an, was man daraus macht und wie man damit umgeht. Die erste Anlaufstelle ist der behandelnde Arzt. Im Idealfall kontaktiert die betroffene Person den \u00f6sterreichischen Amputiertenverband und bittet um ein Gespr\u00e4ch. Ich bin Mitglied im Verband und habe schon einige Anfragen bekommen und Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Ein Gespr\u00e4ch mit einer betroffenen Person ist im Regelfall f\u00fcr eine frischamputierte Person sehr aufschlussreich, nimmt die ersten Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und beantwortet die aufkommenden Fragen.&#8220;<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><b>Wo gibt es L\u00fccken z. b. In der Aufkl\u00e4rung, bei der Unterst\u00fctzung oder in der Umsetzung?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Eine wesentliche L\u00fccke sehe ich darin, dass viele Krankenh\u00e4user und \u00c4rzte den Amputiertenverband nicht kennen und den Tipp f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit einer betroffenen Person nicht weitergeben k\u00f6nnen. Bei der Unterst\u00fctzung gibt es einige L\u00fccken, angefangen von den Antr\u00e4gen, \u00fcber die Bewilligung bis hin zur Versorgung. Auch hier kann man beim Amputiertenverband um Hilfe anfragen. Bei der Umsetzung kommt es auf die Kommunikation zwischen Patienten, behandelnden \u00c4rzten, Physiotherapeuten und Prothesentechnikern an. Das Wohl der Patient:innen sollte oberste Priorit\u00e4t haben und auf spezielle Anforderungen bestm\u00f6glich eingegangen werden, damit die bestm\u00f6gliche Versorgung erreicht wird.<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><b>Wir sind mit unseren Fokusgruppen und dem Projekt noch am Anfang und m\u00f6chten den Output des Projekts f\u00fcr Prothesentr\u00e4ger*innen so gut und spezifisch wie m\u00f6glich gestalten. Was m\u00f6chtest du uns mit auf den Weg geben?<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><i>&#8222;Ich rate dazu den Teilnehmer:innen m\u00f6glichst konkrete Fragen zu stellen und auf die machbaren W\u00fcnsche einzugehen. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es gut, einen Durchschnitt zu erreichen, sodass unterschiedliche Jahrg\u00e4nge und Geschlechter mit in die Forschung einflie\u00dfen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p><b>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Sauer ist Prothesentr\u00e4ger und Parahockeyspieler. Er hat uns in einem Interview Fragen rund um die Prothesenanpassung und die wichtigsten ersten Schritte nach einer Amputation beantwortet.<\/p>\n","protected":false},"author":228,"featured_media":343,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[13,12,11,14],"class_list":["post-69","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-3d-druck","tag-interview","tag-prothesentraeger","tag-sensorik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/users\/228"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/media\/343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/forschung.fh-kaernten.at\/protea\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}